Las Vegas Marathon 2014

Vor nur sechs Monaten hätte ich noch nicht gedacht, dass 2014 das Jahr sein wird, in dem ich meinen ersten Marathon laufen werde. Da in diesem Jahr Las Vegas als Reiseziel auf dem Program stand und ich herausfand, dass am „Rock ’n‘ Roll Weekend“ auch die Marathondistanz angeboten wurde, meldete ich mich im August dieses Jahres dafür an.

Rückblick: Bereits vor zwei Jahren hatte ich mich auf den New York City Marathon vorbereitet, der für den November 2012 geplant war. Damals sind wir extra nach NYC angereist, weil die Veranstaltung trotz der schlimmen Folgen des Wirbelstums „Sandy“ auf jeden Fall als „Race to Recover“ stattfinden sollte. In letzter Minuten wurde der Lauf dann aber doch (richtigerweise) abgesagt und so wurde damals leider nichts aus meiner ersten Marathonteilnahme.

Die Anreise und das Hotel

Die Anreise nach Las Vegas erfolgte nach 2-tägigem Aufenthalt von Miami mit American Airlines. Der Flug dauert ungefähr 5 Stunden, aber es wurde praktischerweise Internet an Bord angeboten, so dass die doch anstrengende Zeit im Flugzeug mit einer Reihe ohne Fenster etwas schneller verging.

Auf dem Flughafen in Las Vegas (LAS) begegnet man sofort nach dem Verlassen des Flugzeuges hunderten von  Spielautomaten, die unter leuchtenden Reklamen mit den aktuellen Unterhaltungsangeboten der Stadt platziert sind. Vom Flughafen aus ist man bereits in 15 Minuten auf dem Strip – der Hauptflaniermeile in Las Vegas. Unser Hotel – das Vdara – befand sich auch unweit von hier. Es wurde erst 2009 gebaut und gehört neben dem Aria und dem berühmten Bellagio zur Gruppe MGM Resorts International. Das Vdara ist per Tunnel mit dem Bellagio verbunden, sodass man auch bei Regen jederzeit trockenen Fußes zwischen den beiden Hotels hin- und herspazieren kann.

Las Vegas 2014 - Rouletteautomat mit Go André

Vor dem Start noch kurz im Casino

Auf der Marathonmesse

Die Marathonmesse in Las Vegas erinnerte mich stark an die Marathonmessen in New York, Chicago und Las Vegas. Eine große Halle mit lauter Musik, in der die Startnummern ausgegeben werden und sämtliche Aussteller ihr Zeugs anbieten. Die Firma Brooks hatte eine riesige Verkaufsfläche für Merchandise Artikel, die wir als erste Anlaufstelle nach der Abholung der Startunterlagen anpeilten.

Startnummer 2014 Marathon

Startnummer beim Rock ’n‘ Roll Las Vegas Marathon 2014

Ernüchternd stellte ich aber fest, dass leider nichts für mich dabei war oder mich im Preis-Leistungsverhältnis überzeugte. Wenn man eigentlich schon gut ausgestattet ist, muss man ja nicht noch mehr als nötig kaufen. 🙂 Am Stand von Mamma Chia habe ich dann aber doch noch zugeschlagen und drei Chia Getränke sowie Chia-Verpflegung für den Marathon eingekauft. 3 Dollar pro Flasche und 2 Dollar pro Powerpack – Fairer Kurs.

Der Marathon

Das Rennen fand am Sonntag statt. Natürlich wurde in Las Vegas auch – wie immer und überall bei Wettkämpfen in den USA – die US Nationalhymne gesungen. Dann wird es schlagartig ruhig und die Sporter halten inne. Nach dem Startschuss um 16:30 ging es nur sehr langsam vorwärts, denn die Wellen wurden nach und nach mit kurzer Unterbrechung auf die Strecke geschickt. Ich befand mich in Coral 15 von insgesamt 31, was ungefähr 20 Minuten Wartezeit bis zum Überqueren der Startlinie bedeutete.

LV Marathon 2014 Rock 'n' Roll

An der Startlinie beim Las Vegas Marathon 2014 – Bald geht es los.

Die Zeitverschiebung im US Bundesstaat Nevada beträgt gegenüber Deutschland übrigens 9 Stunden, was gewaltig ist, wenn man bedenkt, dass man ja eigentlich nach deutscher Zeit um 1:30 Uhr morgens einen Marathon startet. Da ich in den USA wegen der Zeitverschiebung meistens sehr früh schlafe, hatte ich natürlich noch mehr Respekt vor diesem Marathon: Würde ich es überhaupt schaffen auf der Strecke nicht einzuschlafen? lautete die berechtigte Frage. Die Tage zuvor hatte ich schließlich fast immer um 20 Uhr schon geschlafen.

Las Vegas Marathon 2014 - Rock 'n' Roll

Noch ein paar Minuten bis zum Start.

Kurz nach dem Start folgte nach dem berühmten Schild „Welcome to fabulous Las Vegas“ ein U-Turn und nun begann der große Lauf so richtig. Es ging zunächst in nördliche Richtung auf dem Las Vegas Blvd vorbei an zahlreichen Hotels, Sehenswürdigkeiten und tausenden von Zuschauern, die am Rand das Geschehen beobachteten. Auffällig war der hohe Anteil an Frauen, was mir schon häufig in Amerika auffiel. Ich schätze mehr als 50% waren Läuferinnen.

Ich hatte mir vor dem Marathon eine Strategie überlegt, die 42,195 Kilometer (26,2 Meilen) sicher zu überstehen: Meine Zielzeit war sekundär, wobei ich natürlich wusste, dass ich keine 5 Stunden brauchen werde,  aber auf keinen Fall wollte ich nach 25 Kilometer aufgeben müssen wegen Energiemangel oder Überlastung. Das Motto dieses Wettkampfes lautete für mich also „einen Gang runterschalten“ jedenfalls bis Kilometer 20. Das gelang mir ziemlich gut, denn die ersten 10 Kilomter absolvierte ich in gemütlichen 55 Minuten. Das ist für meine Verhältnisse natürlich langsam, bei einem Halbmarathon passiere ich diesen Punkt normalerweise nach 48 Minuten, aber wenn man sich überlegt, dass die Kraft dann noch 32 Kilometer reichen muss ist man vorsichtiger. Inzwischen hatte ich den Stratosphere Tower, zahlreiche Wedding Chapels und schrille Casinos passiert und schon bald verschwanden die bunten grellen Lichter der Stadt und ich fand mich vor den Toren von Las Vegas in der Wüste wieder. Die Halbmarathon-Teilnehmer waren längst abgebogen und befanden sich auf dem Weg zurück zum Strip. Das Lauffeld zog sich weiter auseinander und es wurde ruhiger.

Nach 25 Kilometern fühlte ich mich noch ziemlich fit und ich war stolz darauf, dass ich stur meinen langsamen aber stetigen Kurs durchgezogen hatte. Inzwischen hatte ich auch meinen Chia-Snack zu mir genommen und zahlreiche Gatorates getrunken, die unterwegs angeboten wurden. Das Zeug schmeckt mir übrigens nur während des Wettkampfes, wie auch Gel, was mich sonst an den Geschmack von Marmelade erinnert. Marathonläufer sprechen ja immer gern vom „Mann mit dem Hammer“, der einem jenseits der 30-Kilometer-Marke begegnet und das Weiterlaufen verhindert oder zumindest stark einschränkt, also wartete ich auf diesen ominösen Mann – aber nichts geschah. Mir wurde eher langweilig, denn die Strecke war längst nicht mehr so unterhaltsam und abwechslungsreich wie am Anfang.

Ein großes Lob an dieser Stelle an das Wetter: Es waren nahezu perfekte Bedingungen, denn es war nicht zu warm und nicht zu kalt. Nur der Wind störte etwas beim Laufen.

Nach 35 Kilometern war ich inzwischen längst wieder auf dem Rückweg zum „Strip“ und die Vorfreue auf den Zieleinlauf und ein baldiges Ende dieses Rennens wurden immer größer. Leider nicht nur die Vorfreude, sondern auch der Schmerz in meinem linken Fuss nahmen mehr und mehr zu. Und so musste ich leider noch einen Gang mehr runterschalten. Ich vermute, dass die krummen Straßen meinem Fuss einfach auf die Dauer zugesetzt haben und das nun die Folgen der Überlastung waren. Jedenfalls musste ich leider erheblich das Tempo runterschrauben und teilweise musste ich auch kurz gehen, weil ich nicht mehr auftreten konnte. Trotz alle dem rückte das Ziel, welches sich auf Höhe des Mirage Hotels befand, unaufhaltsam näher auch wenn mir der letzte Streckenabschnitt unendlich lang vorkam. Schlussendlich erreichte ich nach 4:14:40 dann endlich das Ziel als Finisher beim Las Vegas Marathon! Geschafft.

Las Vegas Rock 'n' Roll Marathon Badge

Las Vegas Rock ’n‘ Roll Marathon 2014 Badge

Im Zielbereich

Im Zielbereich vor dem Bellagio Hotel gab es Bananen, Wasser, Eiweiss-Riegel und eine Dose Bier.

Zurück ins Hotel

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nach dem Lauf noch schön ins Casino im Bellagio Hotel zu gehen und ein paar Runden Roulette zu spielen, aber das Problem war, dass ich nach dem Zieleinlauf kaum noch gehen konnte. Das lag hauptsächlich am linken Fuss, der jetzt erst richtig streikte. Und so hatte ich große Mühe die paar Hundert Meter ins Hotel zurückzukommen. Inzwischen fror ich auch stark, was die Angelegenheit nicht angenehmer machte. Ich habe dadurch aber zumindest das Wasserspiel vor dem Ballagio zwangsläufig miterleben dürfen. Wirklich klasse!

Nach 20 Minuten war ich endlich wieder im Hotel und nahm gleich ein heisses Bad, das sich sehr positiv auf meine Regeneration auswirkte.

Congratulations - You ran the Las Vegas strip at night.

Congratulations – You ran the Las Vegas strip at night.

Vielen Dank an alle Leser dieses Beitrages und das Organisations-Team des Rock ’n‘ Roll Las Vegas Marathon 2014 und natürlich allen, die mich unterstützt haben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.